Nuriel Molcho: Hutmacher, Fashion-Lover, Cosmopolit, Familienmensch, Visonär.

Erst seit einem halben Jahr kreiert Nuriel Hüte unter seiner Brand Nomade Moderne. Begonnen hat er zuhause und betreibt mittlerweile seinen kleinen Store mitten am Naschmarkt in Wien neben dem bekannten und feinem Neni, das von seiner Familie geführt wird. In seinem kleinen Laden produziert und verkauft er maßgeschneiderte aber auch absolut leistbare Hüte. Ihr könnt ihm beim Ausüben seines Handwerk vor Ort über die Schultern schauen und gemeinsam mit ihm euren Traumhut erarbeiten.

Karin: Jetzt mal von Anfang an. Wie und warum hast du begonnen Hüte zu designen? 
Nuriel: Also angefangen hat das, als ich einen eigenen Hut wollte. Ich hatte eine genaue Vorstellung davon ihn aber niergendwo gefunden. Dann bin ich zu der bekannten Hutmanufaktur Mühlbauer gegangen und habe sie gefragt ob sie mir meinen speziellen Hut machen könnten, den ich mir vorgestellt habe. Beim ersten Versuch wurde meine Anfrage abgelehnt… Dann habe ich in München ganz zufällig einen Typen gesehen, der trug einen so coolen Hut, dass ich ihn angesprochen und gefragt habe wo er den Hut her hätte. Seine Antwort war wohl der Beginn meiner Reise: „Den hab ich selbst gemacht!“.

Wie ging das dann weiter!? Nunja, dieser Typ aus München hat damals einen Hutmacher-Kurs besucht und ich habe ihn über diese Thematik. Mir gefiel das Ganze so sehr, dass ich für mich den Entschluss gefasst und der Manufaktur Mühlbauer noch einmal angeschrieben habe. Ich wollte nicht aufgegeben und mit viel Überzeugungskraft habe ich es dann tatsächlich geschafft und durfte in der Manufaktur selbst meinen ersten Hut machen.

 

„Mein erster Hut war verbogen und unförmig. Ich trug ihn trotzdem voller Stolz!“

 

Bestimmt ein großer Faktur zum Erfolg – immer dran bleiben!! Und wie sah das erste Exemplar aus? Komisch! Haha. Verbogen und irgendwie nicht richtig aber ich war so stolz auf meine erste Kreation, dass ich ihn trotzdem getragen habe und tatsächlich haben mich viele Freunde angesprochen, dass sie den Hut so toll fänden weil er so anders aussieht, etwas vagabundmäßig, etwas rougher! Dann wusste ich, das ist die Richtung die ich einschlagen werde und das Ganze hat seinen Lauf genommen! Ich habe für Freunde die ersten Hüte gemacht. Meine Freundin Audrey hat mir beim Nähen geholfen und die Bestellungen wurden immer mehr.

Wenn du sagst, vagabundmäßig – daher auch der Name der Brand – Nomade ModerneJa Genau, zum einen wollte ich in der Kurzform des Namens meine eigenen Initialen verwenden – also NM – und zum anderen passt der Name zu mir und zum Image der Marke. Ich fühle mich auch wie in moderner Nomade wenn man das so sagen kann, ich liebe es zu reisen und bin wirklich viel und oft unterwegs!

Du hast dich also jetzt mit Nomade Moderne selbstständig gemacht und sogar deinen kleinen Store eröffnet, mitten am Naschmarkt in Wien, in dem du gleichzeitig die Hüte machst. Wie war deine Erfahrung mit dem Schritt zur Selbstständigkeit bzw. hast du Tipps für unsere Leser, die Ähnliches vorhaben? Du musst einfach machen! Du musst einfach drauf loslegen und bloß niemals etwas bereuen. Selbst wenn Fehler passieren, dann sollte man daraus lernen und sich nicht allzu sehr den Kopf darüber zerbrechen. Man wird Fehler machen und wenn du von vorne herein versuchst ‚DAS PERFEKTE’ zu erreichen, dann wirst du das vermutlich nicht schaffen. Durch kontinuierliche Arbeit kommst du besser an dein Ziel und das kann sich auf dem Weg dorthin auch noch verändern.

 

„Egal wie oft du hinfällst, du musst immer wieder aufstehen!“

 

Das sehen wir ganz ähnlich mit Constantly K und es ist schön zu hören, dass du ein Ziel hast aber nicht allzu verbissen bist. Man merkt einfach, dass dir deine Arbeit Spaß macht und das sieht man dann auch am Ergebnis! In Bezug auf deinen Background – Familysupport ist sicherlich ein großes Thema bei dir? JA – ABSOLUT! Wir sind 4 Brüder und haben uns bis ich 15 Jahre alt war ein Zimmer geteilt. Wir sind dadurch sehr zusammen gewachsen und sind nicht nur Brüder sondern auch beste Freunde. Es gibt keinen Neid zwischen einander – jeder ist auf demselben Level! Außerdem haben uns unsere Eltern immer dazu gebracht, Extremsportarten zu betreiben. Ich bin mir sicher, Sport ist ein großer Bestandteil von Erfolg und Happiness und wir haben schon in jungen Jahren gelernt, „Egal wie oft du hinfällst, du musst immer wieder aufstehen!“. Du lernst als junger Mensch schon Erfolgserlebnisse kennen und das Gefühl, dass du selbst verantwortlich bist für deinen Erfolg! Das hat unsere Mentalität schon stark geprägt und deshalb sind wir – also meine Familie – auch das was wir sind!

Es ist unglaublich – du machst das Ganze erst seit einem halben Jahr und bist wirklich schon in aller Munde in der österreichischen Fashion-Welt! Fashion hat mich einfach immer schon brennend interessiert. Dass das jetzt mit Hüten beginnt war mehr ein Zufall als ein jahrelang geschmiedeter Plan. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich mit der Marke in Zukunft mehr produziere. Coole Schals, Jacken und vieles mehr, das einfach zu dem Stil der Marke passt!

Du bist also nicht jemand, der einen großen 3-Jahres-Plan verfolgt o.ä.? Nein überhaupt nicht! Ziele zu setzen ist wichtig, zu 100%. Aber ich setze mir eher kleine Ziele. Zum Bespiel das nächste Ziel ist, dass der Store gut anläuft. Ich bin ein Mensch, der viel nach Gefühl macht. Man muss flexibel bleiben!

Wie bewirbst du deine Marke? Also Instagram ist hier sicherlich eine der besten Plattformen für mich. Was zählt, ist eine einheitliche Bildsprache. Ich möchte über meine Bilder Emotion und Stil vermitteln. Ich habe mittlerweile schon viele Anfragen über die Social Media Kanäle bekommen aber natürlich ist das Erlebnis für meine Kunden und mich immer noch ein anderes wenn sie direkt zu mir in den Store kommen und wir gemeinsam einen Hut entwerfen und erarbeiten!!

Und das muss ich wirklich hervorheben, deine Hüte haben, dafür dass sie handgemacht sind, einen sehr fairen Preis und bewegen sich im Bereich von € 250 pro Unikat – möchtest du diesem Preis treu bleiben? Ja, absolut – dem werde ich treu bleiben! Natürlich, wenn jemand Schmuck drauf haben möchte oder sonstige Besonderheiten, dann kostet das natürlich etwas mehr aber nur aufgrund des Materials und der Stunden die ich dafür mehr investieren muss! Mir ist einfach wichtig, dass meine Produkte leistbar sind 🙂 .

 

„This could be my last day, I´m gonna live it to the fullest!“

 

Kommen wir zu deinen Inspirationsquellen – Welche Stadt ist etwas Besonderes für dich? Bestimmt ist es Tel Aviv – aufgrund meiner Familie und meiner Herkunft war ich einfach schon unglaublich oft in dieser faszinierenden Metropole. Ich bin generell ein Fan von Kontrasten und das bekommst du im Vollen in dieser Stadt geboten. Nachdem in diesem Gebiet ständig Krieg und Unruhe herrscht, leben die Einwohner immer nach dem Motto „This could be my last day, I´m gonna live it to the fullest!“. Aber natürlich ist es bei mir generell das Reisen! Es ist bei mir schwer zu sagen, was meine Favorite Stadt ist weil ich überall etwas Besonderes sehe! Downtown LA ist auch sicherlich eine tolle Inspirationsquelle für mich und in Wien, nachdem ich hier lebe, lass ich mich auch sehr inspirieren.

Talking about Vienna – was ist das Besondere für dich an Wien? Also ich bin froh, dass sich Wien sehr geändert hat die letzten Jahre. Früher war die Stadt viel spießiger, das hat sich jetzt schon sehr ins Positive entwickelt. Ich habe mich immer schon etwas anders gekleidet und mittlerweile ist das alles sehr viel offener Gott sei Dank. Ich würde mir fast noch mehr Individualität wünschen.

Was ist dein Laden in Wien – Wo kaufst du ein? Es gibt Geschäfte in Wien das ist richtig cool. Für diesen Avantgarde-Stil auf den ich richtig stehe, gibt es einen der besten Stores überhaupt – Eigensinnig.

Deine 3 Favorite Hangouts? Auf den Dächern Wiens. Zuhause. Und die Roberto-Bar im Ersten – sehr klein aber es ist cool, weil du immer mit den Leuten neben dir ins Gespräch kommst, das liebe ich!

WOW – DANKE Nuriel für dieses coole Gespräch und deine Tipps. Wir wünschen dir viel Erfolg und werden der Geschichte von Nomade Moderne weiterhin gespannt folgen.


Interview: Karin Kaswurm, Text: Caro Eisl, Bilder: Caro Eisl / Instagram Nomade Moderne